Trichoptera-RP- die Köcherfliegenseiten von Peter J.  Neu

Köcherfliegen (Trichoptera)

Arten - Ökologie - Bestimmung -  Verbreitung

Arbeits- und Zeitersparnis


Schon beim Fang entscheidet sich, ...

... ob Insekten und andere kleine Tiere leicht und schnell zu bestimmen sind und der Zeit- und Untersuchungsaufwand möglichst gering bleibt. Dies gilt besonders für größere Mengen von gefangenen Tieren z. B. aus dem Gewässermonitoring oder anderen Forschungsprojekten, die Malaisefallen, automatische Lichtfallen, Barberfallen o.a. verwenden.

Anders als z.B. Lepidoptera (Schmetterlinge), Coleoptera (Käfer) oder Odonata (Libellen) sind Trichoptera (Köcherfliegen), Plecoptera (Steinfliegen) und Ephemeroptera (Eintagsfliegen) sowie andere Kleinlebewesen selten durch gut erkennbare Flügelmerkmale oder auffällige Körperformen und -farben gekennzeichnet. Aus diesem Grunde sind diese Tiere nur durch Untersuchung von Bestimmungsmerkmalen am Körper, wie z.B. Form oder Farbe der Fühler, Vorhandensein oder Fehlen von Ocellen am Kopf, die Form der Mundwerkzeuge, der Zahl der Sporne an den Beinen oder an den äußeren und/oder inneren Genitalstrukturen unter dem Binokular oder dem Mikroskop zu bestimmen.

Deshalb solten die  zu untersuchenden Tiere  unverkrampft, gestreckt und elastisch vorliegen. Dies erleichtert die Bestimmungsarbeit und schont das Probenmaterial bei den Untersuchungen. Diese Voraussetzungen können schon beim Fang und der Erstkonservierung geschaffen werden, indem frisch gefangene Tiere nicht sofort in hoch konzentrierte Konservierungsflüssigkeit geworfen werden.

 

Am besten wie folgt vorgehen:

Beim Kescherfang die Tiere erst in ein Glas überführen, in dem Zellstoffstreifen mit ein paar Tropfen Essigsäureethylester (Essigäther) schnell  ein betäubendes und abtötendes Gas entwickelt haben. Die Tiere haben nach wenigen Sekunden eine letale Betäubung und bleiben gestreckt und unverkrampft. Anschließend werden sie zur Erstkonservierung bis zur Bestimmung in Gläschen mit Ethanol von max. 60 % überführt. Erst nach der Untersuchung und Determination kommen sie zur Dauerkonservierung in möglichst hoch konzentrierten Alkohol, was auch gute Voraussetzungen für genetische Untersuchungen schafft.
Formalin ist als Konservierungsmittel aufgrund seiner gesundheitsschädlichen Wirkungen abzulehnen, Isopropylalkohol kann verwendet werden, sofern bei der Bestimmungsarbeit ein Abzug verwendet wird.

 

Erfolg:

Die Extremitäten und Abdomina der Tiere werden durch diese Vorgehensweise, die kaum eine Minute an Zeit erfordert, nicht krampfartig eingezogen. Die Tiere bleiben gestreckt, das Gewebe im Körperinneren bleibt elastisch und wird nicht wachsartig hart und brüchig. Bestimmungsrelevante Strukturen können durch leichten Druck auf das Abdomen sichtbar gemacht werden und nur bei wenigen Arten ist eine Mazeration zur Artdiagnose erforderlich.

Auch bei automatischen Fallen  kann  mit niedriger konzentrierten Konservierungsflüssigkeiten (max 60% Ethanol) gearbeitet werden, was die Bestimmungsarbeit deutlich erleichtert!

 

Hydroptilidae Groesse Vergl

Je kleiner die zu untersuchenden Tiere, desto höher und zeitraubender der Untersuchungsaufwand!

Insbesondere die winzigen Hydroptilidae, aber auch die Weibchen größerer Arten wie z.B. der Hydropsychidae sind  schneller zu bestimmen, da die relevanten Merkmale gut sichtbar sind. Viele Jahrzehnte galten diese als “unbestimmbar” und wurden entsorgt oder bestenfalls mit Hoffnung auf neue Erkenntnisse “weggestellt” und oft doch ins Klo gekippt.  Um dieser Verschwendung von Leben entgegenzutreten widme ich der Bestimmung dieser Arten einen großen Raum meiner Website.

 

 

 

Abb. 1:  Hydroptilidae-Weibchen neben einem Stecknadelkopf