Trichoptera-RP- die Köcherfliegenseiten von Peter J.  Neu

Köcherfliegen (Trichoptera)

Arten - Ökologie - Bestimmung -  Verbreitung

Hydropsyche guttata-Gruppe

dropsyche guttata-Gruppe

Obwohl beim Lichtfang von Köcherfliegen häufig viele Weibchen der Gattung Hydropsyche gefangen werden, scheuen sich viele Bearbeiter, diese zu bestimmen und konzentrieren sich allein auf die Determination der männlichen Imagines. Ursächlich hierfür sind zwei Gründe:

  • es fehlte bislang an guter Bestimmungsliteratur für die Weibchen,
  • die Differenzierungsmerkmale sind bei den Weibchen oft verdeckt, d. h. die letzten Segmente des Abdomens sind eingezogen (siehe Tipp unten).

Abhilfe hat zunächst der Lauterbornia-Band 51 von NEU & TOBIAS  (2004)  über die Bestimmung der in Deutschland vorkommenden Hydropsychidae gebracht. Die Differenzierung von Hydropsyche exocellata- und H. modesta-Weibchen blieb aber mangels Untersuchungsmaterial schwierig.  Nach dem Erhalt von H. modesta-Weibchen wird nun mit neuen Zeichnungen und einigen Fotos versucht, zur Lösung dieser Probleme beizutragen.

Zur Lösung des Problems der verkrampften und ins Körperinnere eingezogenen bestimmungsrelevanten Genitalstrukturen nicht nur bei Hydropsyche-Weibchen gibt es Hinweise zur Arbeits- und Zeitersparnis im Abschnitt Taxonomie.

 

Das Hydropsyche modesta/exocellata-Problem

Die im Rahmen des DAET-Projektes (Distribution Atlas of European Trichoptera - DAET) erhobenen Daten und die daraus resultierenden Verbreitungskarten von Hydropsyche exocellata DUFOUR, 1841, Hydropsyche contubernalis contubernalis McLACHLAN, 1865 und Hydropsyche modesta NAVAS, 1925 haben gezeigt, dass H. modesta scheinbar nicht in Deutschland vorkommt, wohl aber in östlich und südlich angrenzenden Ländern sowie westlich in Frankreich bis dicht an die deutsche Grenze.

Hydropsyche modesta map-600

Abb. 1 Nachweise von Hydropsyche modesta-Männchen in Europa (Auszug aus DAET-Verbreitungskarte)

 

Die vorstehende Karte beruht allein auf Imaginalnachweisen von H. modesta-Männchen, so dass sie recht verlässlich sein dürfte. Diese Karte hat mir Anlass gegeben, mich näher mit neuem Tiermaterial und der Bestimmungsliteratur zu dieser Art zu beschäftigen.

 

Die Larven von Hydropsyche modesta:

Die von NEU & TOBIAS (2004) sowie von WARINGER & GRAF (2011) angegebenen Unterscheidungsmerkmale für H. modesta und H. exocellata sind am Tier ohne Vergleichsmaterial der jeweils anderen Art schwer zu beurteilen. Hier besteht noch Forschungsbedarf.

 

Die Männchen von Hydropsyche modesta:

Nach NEU & TOBIAS (2004) sowie nach MALICKY (2004) sind die Männchen von H. modesta gut zu bestimmen - sofern man weiß, dass H. modesta der weit verbreiteten Hydropsyche contubernalis contubernalis McLACHLAN, 1865 sehr (!!!) ähnlich ist und leicht mit dieser verwechselt werden kann.

 

Die Weibchen von Hydropsyche modesta:

NEU & TOBIAS (2004) zeigen lediglich Bildausschnitte von der Lateralansicht des weiblichen Genitals, die freundlicherweise H. Tachet zur Verfügung gestellt hatte. MALICKY (2004) liefert keine Bestimmungsabbildungen von H. modesta-Weibchen.

 

Nachdem ich zwischenzeitlich H. modesta-Männchen und -Weibchen aus Frankreich, Rumänien, Bulgarien und Ungarn zusammengetragen hatte, konnte ich drei neue Merkmale zur Unterscheidung von H. exocellata und H. modesta-Weibchen finden.

 

Neue Merkmale zur Unterscheidung von Hydropsyche exocellata und H. modesta:

  1. in Dorsalansicht sind  die Dorsalkappen des IX. Abdominalsegmentes bei H. modesta distal breit abgerundet, bei H. exocellata sind sie spitz zulaufend,
  2. bei H. modesta ist in Lateralansicht im Übergang zwischen Zangengrube  (Receptaculum harpagonis) und Dorsallobus (Lobus dorsalis IX) am unteren Ende der Zangenrinne eine deutliche, oft gezähnte Leiste quer über den Ansatz des Lobus zu erkennen, bei H. exocellata fehlt diese Leiste,
  3. bei H. modesta befindet sich am proximalen Rand der Zangengrubenöffnung ein deutlicher nach distal gerichteter zahnförmiger Fortsatz, bei H. exocellata ist dort nur eine schmale Leiste zu erkennen.


In der Übersicht  unten finden Sie neue, einheitlich gezeichnete Bestimmungsabbildungen für die Weibchen folgender Arten der Hydropsyche guttata-Gruppe:

  • Hydropsyche exocellata DUFOUR, 1841
  • Hydropsyche modesta NAVAS, 1925
  • Hydropsyche contubernalis contubernalis McLACHLAN, 1865
  • Hydropsyche contubernalis masovica MALICKY, 1977
  • Hydropsyche bulgaromanorum MALICKY, 1977
  • Hydropsyche bulbifera McLACHLAN, 1878
  • Hydropsyche ornatula McLACHLAN, 1878
  • Hydropsyche guttata PICTET, 1834 (noch zu erstellen)

Die roten Pfeile oder Kreise in den Bestimmungsabbildungen weisen auf die wesentlichen Differenzierungsmerkmale hin, die jeweils am unteren rechten Rand befindlichen Verbreitungskarten beruhen ausschließlich auf Imaginalfunden von Männchen dieser Arten. Mit einem Fragezeichen versehene Fundpunkte deuten auf Bestimmungen hin, die nochmals überprüft werden sollten. 

 

Peter J. Neu (02-2016)

 

 

Bestimmungstafeln für Weibchen einiger Arten der Hydropsyche guttata-Gruppe

Hydropsyche exocellata W draw2

 

Hydropsyche modesta W draw

 

Hydropsyche cont cont W draw

 

Hydropsyche cont masov W draw1

 

Hydropsyche bulgroman W draw

 

Hydropsyche bulbifera W draw

 

Hydropsyche ornatula W draw1

 

Hydropsyche guttata W draw

 

Tipp: Hydropsyche-Weibchen und andere Arten leichter bestimmen

Die Erkennbarkeit der Differenzierungsmerkmale am weiblichen Genital von Hydropsyche-Arten hängt ganz wesentlich von der Fangmethode und der Art und Konzentration des Konservierungsmittels ab.

Bei automatischen Lichtfallen gelangen die Tiere lebend in eine Fangflüssigkeit (meist Ethanol), was beim Hineinfallen zu einer Verkrampfung und damit zum Einziehen der Segmente IX und X führt. Die Bestimmungsmerkmale sind dann nicht mehr sichtbar. Viele Trichoptera-Bearbeiter stecken auch die mit der Hand (Kescher, Glas, Exhaustor) gefangenen Tiere lebend in Ethanol und zur Konservierung werden die Tiere in hoch konzentrierten Alkohol überführt, wodurch die Eiweißverbindungen im Körperinneren sehr hart werden.

 

Sollen Hydropsyche-Weibchen bestimmt werden, empfiehlt sich die Konservierung der Tiere in Ethanol mit max. 60%. Hierdurch bleibt das innere Gewebe elastisch und die Endsegmente lassen sich unter dem Binokular mit einer Pinzette herausdrücken oder mit dorsal angesetzter Präpariernadel nach hinten ausklappen. Hierdurch werden die Bestimmungsmerkmale sichtbar.

 

Ist älteres und verhärtetes Material zu bestimmen,  kann das Abdomen abgetrennt und in 10%iger KOH-Lösung bei ca. 65°C etwa 13 - 15 min mazeriert werden. Anschließen ist das Abdomen in warmem destilliertem Wasser für weitere 10 - 20 min zu wässern (je länger, desto besser).  Hierdurch verflüssigt sich das Gewebe im Körperinneren und kann mit der Pinzette ausmassiert werden. Hierbei treten die bestimmungsrelevanten Endsegmente aus dem Abdomen hervor. Wenn das Abdomenende klar und durchsichtig ist, können die Strukturen unter dem Binokular oder Mikroskop betrachtet und das Tier bestimmt werden.

Auch die inneren Strukturen der Zangengruben sind gut erkennbar und helfen bei der Unterscheidung sehr ähnlicher Arten wie z.B. Hydropsyche siltalai- und H. instabilis-Weibchen.

 

Bewährte Problemlösung:

Bei Handfängen sammle ich die Tiere mit einem „Tötungsglas“ vom Leuchtturm oder aus dem Keschernetz. In diesem Glas befinden sich Zellstoffstreifen (Küchenrolle), auf die einige Tropfen Essigäther (Essigsäureethylester, Äthylacetat) gegeben wurden. Die im Glas entstehenden Dämpfe betäuben die Tiere innerhalb von Sekunden letal, ohne dass es zu Verkrampfungen kommt. Anschließend werden sie bis zur Bestimmung in 60%igem Ethanol aufbewahrt. Erst nach Bestimmung und Etikettierung werden sie in hoch konzentriertem Alkohol konserviert.