Die Vermutung, dass ich ganz besonders raffinierte Methoden oder eine ausgefeilte Technik einsetze, ist falsch. In erster Linie kommt es darauf an, an den richtigen Stellen zu suchen und zu fangen. Wer sich bei seinen Untersuchungen nicht nur auf eine bestimmte Gruppe oder einen bestimmten Biotoptyp konzentrieren möchte, muss versuchen, zu unterschiedlichsten Jahreszeiten an den unterschiedlichsten Standorten verschiedene Methoden anzuwenden. Nur hierdurch ist gewährleistet, dass ein großes Artenspektrum erfasst werden kann.

 

Für den Fang förderliche Strukturen

Überhängende Äste von Erlen oder Weiden am Ufer oder ins Gewässer hineinragende Uferlinien mit Rohrglanzgras- oder Schilfbeständen sind Rast- und Balzplätze von Köcherfliegen und erhöhen die Aussicht auf einen guten und artenreichen Fang. Gute Fangstellen sind auch “Zwangspässe” wie z.B. Schneisen zwischen dichtem Baumbewuchs entlang des Gewässers oder Standorte unter Brücken. Diese Strukturen leiten die Tiere in die Nähe eines dort aufgestellten Leuchtturmes.

 

Biotope

Am sichersten fangen sich hochspezialisierte Arten natürlich in der Nähe ihres Schlupfortes. Banal gesagt: um Krenal-Arten zu fangen, muss ich zur Quelle, Moorarten fange ich im Moor und Stillwasserarten am See oder am Potamal. Die geringe Entfernung der Lichtfalle zum Habitat erhöht dann die Wahrscheinlichkeit, dass Tiere der dort vorkommenden Arten in den Anlockbereich der Lichtfalle kommen.
Einzelexemplare diese Arten kann man jedoch auch weitab ihrer Heimatgewässer fangen. Mein Eindruck geht dahin, dass sich aus jeder Population ein geringer Prozentsatz, ich schätze vielleicht 1 bis 2 Prozent, aufmachen und weg vom Brutgewässer in die Fläche fliegen. Sofern diese Vermutung  zutrifft, würde dies auch erklären, warum manche Köcherfliegen mit zu den ersten Besiedlern neu geschaffener oder wieder besiedelbarer Gewässer gehören. Grund für die o.a. Vemutung liefert mir folgende Feststellung:
In meinem Garten im Stadtgebiet in Bitburg stelle ich gelegentlich abends für 2 - 3 Stunden einen Leuchtturm auf und suche ihn nach Köcherfliegen ab. Bei 25 Lichtfängen  konnte ich dabei insgesamt 42 Arten nachweisen, obwohl das nächste Fließgewässer mehr als 1,5 km entfernt ist.

 

Wind- und Wetterverhältnisse

Entscheidend für einen erfolgreichen Lichtfang sind u.a. die Windverhältnisse. Starker Wind schmälert das Fangergebnis immer. Die kleineren Arten scheuen möglicherweise die Verdriftung und bleiben in der Vegetation sitzen. Ein großes Handicap sind Kaltluftströmungen in den Tälern. Sie lassen die Zahl der anfliegenden Köcherfliegen gegen Null zurückgehen. Lediglich größere Limnephilidae (Stenophylax-, Micropterna- und Limnephilus-Arten) kommen dann noch gelegentlich an den Leuchtturm. Ein Wechsel auf die andere Talseite kann hier gelegentlich helfen.
Kühles Wetter mit Temperaturen unter 10° C in der Dämmerung lässt nur wenige Köcherfliegen anfliegen. Auch an guten warmen Abenden kann bei klarem Himmel einsetzender Taufall den Anflug plötzlich abschwächen. Nur in Höhenlagen und in Mooren sind dann noch angepasste Arten fangen.

Sehr gute Fänge erzielt man regelmäßig bei schwülwarmem Wetter sowie bei starkem warmem Regen. Offensichtlich werden die in der Ufervegetation oder in den Bäumen unter Blättern sitzenden Tiere durch schwere Regentropfen losgeschlagen und mobilisiert.

 

Lichtverhältnisse

Einfacher Merksatz: Je dunkler die Umgebung, desto besser der Lichtfang.

Straßenlaternen oder andere starke Lichtquellen sollten sich nicht in der Nähe des Fangplatzes befinden, direkte Lichtkonkurrenz schmälert das Fangergebnis. Hilfreich ist es schon, sich in einen von den Lichtquellen abgewandten schattigen Bereich zu begeben. Hier können dann noch akzeptable Fangergebnisse erzielt werden.
Das zuvor Gesagte gilt auch für Mondlicht. Lichtfang in Konkurrenz zum Vollmond ist wenig erfolgversprechend. In diesen Fällen empfiehlt es sich, die Lichtfallen an Bächen oder Stillgewässern im Wald oder zumindest im Schatten eines Waldsaumes aufzubauen.